WhatThe..Life?! Ein Blog über ein Leben in einem Sprachaufenthalt in Toronto

Manchmal, ja manchmal spielt das Leben doch verrückt.

Ich sitze gerade im fernen Kanada, in einer Stadt mit nahezu der Einwohnerzahl der Schweiz. Warum? und was habe ich davon?! Das findest du im ersten Eintrag heraus...

Ansonsten hoffe ich, das eine oder andere spannende, überraschende oder schmunzelerregende für euch und mich hier festhalten zu können.


Vielen Dank an dieser Stelle für diese wunderbare Gelegenheit, an alle, die sich angesprochen fühlen. ;-)

It’s over, dude!

Claude 25. Juli 2008

Gestern Abend war es erst, dass wir mit den beiden Frauen über so viel gesprochen haben und so viel gelacht haben. Sie waren 30 und haben das Leben entdeckt, und das behielten sie nicht einfach für sich. «Just enjoy your life, dude. Yours is the best age!». Sie konnten uns zwar nicht bei der Marshmallow-Suche helfen, aber sie waren cool… oder «f.. awsome», wie sie es gesagt hätten.

So ging die Zeit vorbei, wir schreiben den letzten Tag. Überall muss ich erzählen, dass mein Flieger mich heute zurückbringen wird. Aber ich hatte eine wunderbare Zeit. Viel Englisch gesprochen und gelernt, viel Grossstadtleben geschnuppert, viele Leute getroffen, und viel Natur erlebt. Ich kann wirklich sagen, da sind Träume in Erfüllung gegangen. Und: I enjoyed my life so far. And I’ll go on!

 

Good-bye Toronto!

Greeeen 2

Claude 25. Juli 2008

(Fortsetzung von Woche #4: 多倫多華埠)

Und so traf man sich am nächsten Tag für den Naturtrip wieder, as always ziemlich zu spät, und naja, das Geld musste ja auch noch kurz herausgelassen werden und das Backpackers-Hotel, bei dem der Treffpunkt war, wollte ebenfalls noch kurz gebucht werden. Chris hiess der Guide, der das diesmal verkraften musste, und er tat dies anscheinend recht gut. Als einer der wenigen besseren Schweiz-Kenner (er war diesen Frühling in Zürich/Winterthur) ist er sehr sympatisch auf uns beiden Schweizer und die anderen 2 Teilnehmer eingegangen. Beispielsweise schien für den Rest der Welt in unserer Diskussion über Nationaltiere das Murmeltier unbekannt zu sein. So bekam es kurzerhand den englischen Namen «Swozilla» und wurde als gefährlicher Nager eingestuft, der Menschen umbringt und darum die Schweizer immer mit dem Swiss Army Knife umherlaufen. Und ich werde in ein paar Jahren mit meiner «CCCM»-Restaurant-Kette («Claude’s Cookies and Chocolate Milk») der «Tim Hortons»-Kette harte Konkurrenz machen. Anscheinend habe ich die Leute mit meinem Cookies- und 2L/Tag Chocolate Milk-Konsum geschockt… Amy (*headshaking*): «I’ve never seen someone like youu….»

Diese Amy aus Mid-Wales und Seon Sil Bae («Schil») von Südkorea waren die anderen beiden Teilnehmer neben Lukas und mir; Amy war noch weniger verständlich als Adie aus Südenglang vom letztwöchigen Trip, und Sil, naja, völlig ohne Englischkenntnisse nach Toronto in die Sprachschule gereist und nun 2 Monate hier - ..mehr asiatisch als Englisch sprechend ;) Aber auf jeden Fall eine coole Truppe, und so wurde auch das Weekend wieder ein riesiges Erlebnis: Am Freitag starteten wir unsere Reise in die Jugendherberge «Esprit» in Fort Coulonge, mit verschiedenen «life changing» Stops unterwegs: Im «Big Apple» (Colborne, ON), wo man ziemlich genau alles aus Äpfeln bekommt… Apple Pies in diversen Varianten, Apple Chips, Caramel Apples usw. Und - ein riesiges Apfel-Gebäude: Eben der Big Apple. Es war natürlich Lebensverändernd. Ich liebte nun auch Apple Pies (und war scheinbar der erste, der einen ganzen Apple Pie aufs Mal ass). Übrigens, apropos gefährlichen Swozillas: Der Big Apple-Gründer muss besessen gewesen sein von «Monty Python and the Holy Grail» - zahlreiche Warnschilder warnen vor gefährlichen, tödlich beissenden Kaninchen!

Der nächste Stop wurde als grooosse Überraschung angekündigt - of course life changing as well. Und das wars auch: Wir konnten vor dem «Home Hardware» in Napanee ein Gruppenfoto machen. Das spannende daran? DAS WAR DER ERSTE ARBEITSORT VON AVRIL LAVIGNE!!! Wow… Da war der 3. Stop in der grossartigen Natur des kleinen «Bon Echo Provincial Parks» nichts dagegen ;)

Angekommen konnten wir die Jugendherberge bewundern, das Zimmer beschlagnahmen und uns Kayaks schnappen - und auf die Doppelpaddels warten. Auf jeden Fall konnten wir auf dem scheinbaren See (es war der Ottawa River!) wunderbar hinundherkayaken und vereinzelt ungewollte Kreischen drehen… ;)

Am Samstag gings dann richtig los. Der Trip nannte sich nicht nur Natur-Trip, der Haupttitel war «Adventure Trip» und beinhaltete als Haupt-Aktion Riverrafting auf dem Ottawa-River. Nach dem prächtigen kanadischen Z’Morgenbuffet gings mit den ungefähr 100 anderen Teilnehmern in den 3 ehemaligen Schulbussen (knallgelb natürlich :)) mit je 4 Schlauchbooten an die Einstiegsstelle. Es gab Instruktionen des aufgeweckten argentinischen Guide, der es schaffte durch den ganzen Bus gehört zu werden. Er instruierte uns, was man zu tun hat, falls man aus dem Boot fällt, was die 4 goldenen Regeln des Riverraftings sind, und schlussendlich was wir beim nachher erhaltenen Vertrag ankreuzen und abschreiben mussten, damit dann jaa überhaupt keine Möglichkeit mehr besteht, die Riverrafting-Firma anzuklagen.

Das Rafting war dann aber grossartig, mit 8 Teilnehmern und einem Guide (Lucy, die kleine, unauffälligere Frau, die es sich zum Job gemacht hat den ganzen Tag Ruderbefehle an ihr Team zu schreien…) im Boot gingen wir auf dem riesigen Ottawa River durch die verschiedensten Hinernisse und Stromschnellen («rapids»). Der sogenannte Channel, also Flusslauf, den wir hinunterpaddelten, hatte schon normale Flussgrösse. Es hiess dann aber, er habe gerade mal 15% der Wassermasse des Ottawa Rivers. Wow. Nach dem Lunch noch einen zweiten Channel, diesmal hatte er 25% des gesamten Flussvolumenstroms. Einmalige Sache: Der 5 Meter Wasserfall (abgestuft ;)), die «Kolosseum»-Wellen, die grosse Rafts senkrecht stellten, und eine unglaublich kraftvoll schreiende Lucy hinten im Boot — «Go doooown and hold ooon!»…

Trotz Sonnenbrand und Chris’ Schwur, dass wir nach dem Rafting nichts anderes mehr als chillen wollen, hatten wir nachher noch Lust auf eine Runde Kayaking im — jaa — Ottawa River. Aber das beste am Samstag: Der Sonnenuntergang. Jetzt weiss ich, wo die unglaublichen Sonnenuntergang-Fotos immer herkommen ;)

Sonntag war auch schon wieder Abreisetag, es ging nochmals bei verschiedenen Attraktionen vorbei, so hatte ich zum Beispiel ein déjà vu, als wir wieder im «Algonquin Park Visitors Centre» oder bei dem einen Wasserfall standen. Übrigens jede Attraktion natürlich wieder neu «life changing» (ob zum Guten oder Bösen, lassen wir Luki entscheiden ;)). Und: «Algonquin Park. It’ yours to discover!»..Was haben wir doch gelacht über diesen running Gag aus dem märchenhaft schööönen ;) Film im Visitors Centre…

Aber auf jeden Fall wurde eines klar auf dem Trip: Da muss ich wieder hin! Am besten für 2 Monate, einzig mit Kayak, Zelt und ein wenig Essen. Und ein paar der 15′000km Kanurouten abpaddeln. Kanada, du wirst mich nicht los!

Woche #4: 多倫多華埠

Claude 23. Juli 2008

多倫多華埠? Ja! «Chinatown»… Da gebe es 2 Kanada-Flaggen für 1$. OK, die Flagge war dann 12$ (eine…), dafür war alles andere im 2er-Pack für 1$ erhältlich. Zum Beispiel die Styropor-Flieger zum zusammenstecken, mit denen ich als kleiner Pfudi für teures Geld meine Träume verwirklicht habe. Oder der kleine Laser-Pointer für $1.25, der wie erwartet nicht funktionierte (dafür unheimlich schön heiss wird. Komisch? ;)). Dave wollte aber auf jeden Fall sein Geld nicht zurück (komisch? …;)), er hatte genug Freude an den Fliegern. Chinatown war aber auch sonst sehr unterhaltsam, ausser für den Crash eines Streetcars mit einem Auto musste die Polizei auch einen anderen Einsatz leisten. Schneller als im Krimi ;) fuhren sie die Strasse herauf und spurteten aus dem Wagen um genau auf unserer Höhe in der Mitte der Strasse bei der Streetcar-Station einen Mann spektakulär festzunehmen. Auf jeden Fall hatte ich meine (riesige…) Flagge, und es ging zum Hauptteil des Mittwoch-Abends. Es war ein Konzert in einer Bar, die «Vorgruppe» (bzw. die junge, alternative Sängerin und Gitarrenspielerin) erschien mir schon super und so wunderte ich mich nicht schlecht, als dann noch der Main-Act kam..Eine Art humorloser Elvis Presley mit weiblicher Begleitung. Auf jeden Fall hätte ich ihn dann beim Händeschütteln gerne gefragt, wie die Vorgruppe denn schon wieder geheissen habe xD (Mittlerweile haben wir es sogar anhand der Demo-CD, die wir als Werbegeschenk nach dem Konzert bekamen, herausgefunden und werden auch die damit umworbene Plattentaufe am Mittwoch schauen gehen)…

Was passierte aber vor diesem besagten Mittwochabend in der auch schon vierten und eigentlich offiziell letzten Woche? Also Montag weiss ich gerade nicht mehr, Dienstag war aber dafür cool mit einem kanadischen Kinobesuch: Will Smiths neuer Film «Hancock» aus der ersten Reihe..hautnah also…! Apropos Kino: Das Animations-Meisterwerk Wall-E von den Pixar Animation Studios und der neue Batman («The Dark Knight») seien ziemlich genial. Was in der Schweiz in einem respektive 2 Monaten anläuft, hat Dave hier nämlich schon gesehen.

Der Donnerstag war schon ein erster Abschied von Toronto. Ich hatte fürs Weekend (ab Freitag) erneut einen Ausflug in die Natur geplant und somit räumte ich am Donnerstag mein Zimmer komplett und verstaute den grossen Koffer im scheinbar ungenutzten Teil des Erdgeschosses. Und, es bedeutete ebenfalls, Abschied zu nehmen von der Schule. Die 多倫多華埠-Flagge wurde in den verschiedensten Sprachen signiert und die Klassenfotos geschossen. Good-bye EF, good-bye classmates, good-bye teachers. Schön und lehrreich wars!

 

Wie schon letzte Woche verdient der Trip einen Extra-Post, darum hier einfach noch die paar Bilder zur letzten Woche.

Breaking News: Flug verpasst!

Claude 21. Juli 2008

Lange war es ungewiss, nun ist es (seit mitte letzter Woche) klar: Ich kann noch eine Woche länger hier bleiben (ohne Schule) und sitze deshalb nun gerade im «Global Village Backpackers» bis ich dann am Freitag definitiv schon wieder abfliegen werde. In diesem Sinne also ist mein regulärer Flug schon lange in Zürich gelandet und flog ohne mich — dafür wartet aber am Freitag eine andere Maschine auf mich… ;)

Greeeen

Claude 21. Juli 2008

Träume sind zum träumen da — und manchmal, wenn man Glück hat, auch zum erfüllen. Ich hatte Glück, und durfte mit dem Travel Network «Moose» («Elch») vor einer Woche und auch diese Woche das Wochenende im grünen Kanada verbringen. Und die Träume von vor dem Kanada-Trip blieben wirklich nicht nur Träume. Was man hier sehen kann, muss man am besten einfach selbst erleben.

Mal abgesehen vom verschlafen und schnell-packen, Taxi-rufen und zum Treffpunkt stressen, begann das Weekend ja eigentlich gemütlich. Brian hiess der Guide, der uns ganz gut mit dem Moose-Bus (13-Plätzer oder so) durch die Highways von Toronto und dann ins Grüne fuhr. Er war nicht zu schlagen in Menschlich- und Gemütlichkeit, und seine Stimme weckte uns immer zuverlässig angenehm. Auch die Teilnehmer waren richtig cool, wenn sie denn mal nicht am schlafen waren ;) Adie (der Bärenkämpfer ;)) von Grossbritannien, 2 waschechte Mallorcanerinnen, und ein Türke und eine unübertreffbare Türkin und der halbjapanische «Iu-kii» aus Deutschland. Und Dave und ich. Die beiden Insel-Nixen redeten immer Spanisch — ach, nein.. Katalanisch, wie sie insistierten — und gingen tatsächlich bei keiner der 3?, 4? Badegelegenheiten ins Wasser… Warum, werden wir wohl nie erfahren (doch das trübe, oder noch eher kalte Wasser? Nein, muss das nasse Wasser gewesen sein!), und so sollte auch Adies letzter Wunsch (bevor er verschollen sein wird ;)), die beiden im Bikini zu sehen, nicht in Erfüllung gehen. Und der Türke hatte mit seiner Kollegin (oder so… die beiden hatten sich zu Beginn beide betont als Single vorgestellt…) eine perfekte Dolmetscherin und hat so während dem ganzen Weekend wohl etwa 1 Satz Englisch geredet, nämlich dass er eben nicht so gut Englisch kann.

Eine lustige Truppe also, und die Lustigkeit ging auch überhaupt nicht verloren. Einmal in Madawaska (die Moose-Unterkunft im gleichnamigen Dorf) angekommen, sollte es gleich mal ins Wasser gehen (welche Personen ausgenommen sind, dürfte klar sein). Der See sei nicht zu verfehlen. Wenn wir downtown sind, gehe es einfach links. «Downtown» heisst in Madawaska: beim Tankstellenshop am Highway, und das «links» endete eigentlich bei der Dorfsbibliothek (mit gratis WLAN!!!), aber moosig wie wir waren, fanden wir durch das kanadische Dickicht dann auch da den See (und eine wunderschöne…Teer-Abfall-Bucht). Um die Ecke schwimmend sahen wir aber schlussendlich auch noch den Platz, an dem wir hätten sein sollen…

Brian und Brian (der gitarrenspielende und der besser gitarrenspielende, oder mehr: der grosse und der kleine, aber eigentlich: der Trip-Guide und der Unterkunftbetreuer) und eine weitere Unterkunftwartin zauberten (nach dem genialen, alles in Kanada gegessene schlagenden Essen) ein geniales Lagerfeuer und eine Marshmallow-Brätel-Fabrik neben das Haus, und so verging ein «Abend des vollen Bauches»… Der Bauch bekam bei dem Zmorgen am anderen Tag aber ebensowenig eine Pause, die Pancakes waren nämlich Toastsandwich-dick und teller- und magenfüllend…

So liess es sich dann sehr gut auf eine herrliche Kanufahrt auf dem nächsten See gehen, die vorbei an den Bilderbuchwäldern und dem Bilderbuchschilf in ein Bilderbuchflüsschen überging, zu Bilderbuchufern und einem Bilderbuchwasserfall. Am besten sprechen da einfach die Bilder davon, oder eben ein eigener Besuch ;) Auf jeden Fall endete die Fahrt beim letzten Bilderbuch-Ding, dem Wasserfall, in dessen unteren Teil es zur unerwartesten Aktion des Tages kam: Auf einem Gummischlauch den unteren Teil hinunterrutschen! …die Bilder sagens ;) Auf jeden Fall ging Adie einmal absichtlich, das erste Mal aber unabsichtlich auf seinem Hintern anstatt dem Ring hinunter, und Iuki tat es ihm (ebenfalls unabsichtlich) gleich…

Am Nachmittag ging es in den Algonquin Provincial Park, wo wir im Visitor Centre einen 12minütigen Film über die Geschichte des Parkes und eine sehr schön gestaltete Tierausstellung anschauen konnten. Kurz darauf war da aber ca. 100 Meter entfernt vom Highway — und 50 Zuschauern — auch noch ein nicht ausgestopfter Moose zu sehen. Thanks to Dave gibt’s davon auch noch ein Telezoom-Foto… Schlussendlich dann noch ein kurzer Hike zu einem Aussichtspunkt, von dem ich (stolzerweise) für einmal nur 3 Fotos machte.

Abends — man glaubt es nicht ;) — ein even more delicous Marshmallow-roasting mit Brians und Brians Geheimrezept (Jungschi-Leutz dürfen sich freuen!). Und mit Verstärkung beim Essen — eine zweite Moose-«gruppe» mit nur noch einer einzigen Teilnehmerin fand sich ebenfalls im Haus ein. Achja, das Haus ist übrigens so etwas von liebevoll — eine geniale «Stube» mit modernem Plattenspieler und jeglichen 60er-Schallplatten (ich weiss nun dank Brian sogar, wie man die Dinger abspielt ;)), einer hauseigenen Bar und unzähligen Spielsachen vor dem Haus: zum Beispiel einem Basket-, Fuss-, Volley-, Rugby- und Baseball-Ball, sowie unsere Base-Kissen für das improvisierte Baseball-Game mit türkisch-irisch-schweizerischen Regeln sowie Ball-im-hohen-Gras-suchen und dementsprechend vielen Homeruns…

Am Sonntag nahmen wir dann schon am Morgen Abschied von Madawaska und Adie, der am Morgen schonmal alle Passwörter vom PC löschte und den Facebook-Status auf «tot» setzte, um dann einzig mit Kanu, Zelt und Kochzeug allein und ohne Plan auf einen 2-Tages-Trip ins Wilde ging. Er scheint also zurückgekommen sein, nach ersten Mailkonversationen hat er auch keine Bären, sondern lediglich einen Frosch im Zelt und eine Schlange angetroffen, und so dürfen wir nun auf Facebook seine Freunde sein…

Auf viel Busfahren, eine perfekte Unterkunft und perfektes Essen, und eine vollkommene Natur auf der Kanufahrt dürfen wir nun zurückschauen — Es war laut Dave lohnenswerter als alle anderen Trips wie French Canada und sogar New York. Und ich stimme zu…uund träume mal weiter ;)

Woche #3: Wonderstormfallgreenalgonquin

Claude 17. Juli 2008

Warten. Warten. Und noch ein wenig mehr warten… Die 3. Woche hier in Kanada begann mit einer schrägen Geduldsprobe! Sicher gegen 100 Menschen drängten sich am Montag morgen auf dem «Perron» der Streetcar-Station Bathurst, und es kam und kam einfach kein Streetcar… Warum? Habe ich nicht verstanden, der Streetcarfahrer murmelte nur etwas kurzes zu einer Frau weiter vorne. Später habe ich dann von Studenten gehört, eine Hochzeit habe die Strasse versperrt. Naja, wenns nur das ist…

Es ging aber chillig weiter, nach der Schule war ich mit Luki im «High Park», eine unglaublich grosse grüne Oase. Gestern habe ich übrigens gemerkt, dass der Park ja genau bis zu meiner nächstgelegenen Subway-Station reicht. Darum ist es jetzt mein Park… ;)

Nach dem Park bekam die Graffity Alley einen Besuch von uns. Die Geschichte über die komischen Gestalten, die sich in der Allee umhertreiben, und alle Bilder (heute aktualisiert!) finden sich in diesem Post.

Dienstag war ein ganz spezieller Tag… Als ich am Abend für den Ausgang das Haus verliess, liess der entfernte Regenvorhang (Bild) zwar allenfalls eine kurze Dusche vermuten, aber was es da vom Himmel regnete, genau als ich an der falschen Subway-Station ausgestiegen bin und in Korea-Town umherirrte, war nicht mehr normal. Mein Plan wäre eigentlich gewesen, mit Luki am Fringe-Festival (Torontos alljährliches Theaterfestival, das dieses Jahr 200 Jahre feiert) eine Impro-Show zu sehen. Mein «General English»-Lehrer hat uns das als Hausaufgaben gegeben, als Spass auf jeden Fall. Vielmehr hat er mit seinem leicht modifizierten Flyer (der Hauptschauspieler bekam einen Hitler-Schnauz verpasst…) bei jeder Gelegenheit Werbung gemacht. Auf jeden Fall stand ich in Korea-Town, wusste nicht in welchem der 32 Spielorte das Theater sein würde, und schon gar nicht, wo denn das richtige ist; der Informatiker geht also ins nächste Internetcafé und schlägt auf der Website alles nach - wenns denn so einfach wäre. Am Eingang des Cafés scheint die koreanische Jugendmafia zu herrschen und will einem «Stoff» andrehen, unten meint man in der Spielhölle zu sein, und an den paar Internet-PCs werden Pornos geschaut. Der Informatiker wählte dann doch den Rückzug…

Auf jeden Fall war an der Theaterstrasse, die ich über die Festival-Hotline aus einer gratis-Veranstaltungs-Zeitschrift dann doch noch gefunden habe, die Hölle los, man musste in den Strassen über Flüsse springen, sich von Autos schlimmer als in den Filmen anspritzen lassen, und dann noch kuriose Fotos machen von Wasserschächten, die zu 1,5m hohen Fontänen mutieren… (Es ging leider zu lang um die Kamera auszupacken, ich erwischte nur noch die halb so grosse Fontäne). Und die Schauspieler dieser Improv-Comedy-Show zauberten dann ein mehr oder weniger vollständig improvisiertes Comedy-Theater aus der Tasche — über das von den Zuschauern spontan gewünschte Thema «About a Rainstorm». Genial. Und — auf dem Heimweg entdeckt: Ein Supersize-CD-Store — der erste, in dem ich CDs meiner Lieblingsband fand (tatsächlich eine Kunst!).

Mittwoch — Boatparty again, diesmal mit wunderbarem Sonnenuntergang. Und Donnerstag: Die Vernichtung des 2-Tages-Passes fürs Wonderland! Diesmal mit Badehosen (jedoch dann doch nicht gebraucht :)) und nicht ganz so viel Menschen wie letztes Mal. So «mussten» wir halt einmal die leeren Plätze einer Bahn füllen und darum 5 mal hintereinander sitzen bleiben… Der Höhepunkt des Tages fand wohl 60 Meter über dem Boden statt: das verrückteste Gebilde im Wonderland ist nämlich eine Konstruktion, die bis zu 3 Personen gleichzeitig an Seilen auf die Höhepunkt-Höhe zieht und dann im freien Fall — und nur an den Seilen — fallen lässt! Man baumelt dann in einem Bogen vor und zurück. Kurz gesagt ist es einfach verrückt :)

Nun dürfte es schwierig sein, all diese Erlebnisse zu toppen, aber genau so sollte es noch kommen. Dave hat wirklich einen «good job» (hat jemand Hancock gesehen? ;)) geleistet — während ich im Wonderland umherflog, organisierte er unsere Teilnahme an einem Naturtrip mit Moose in den Algonquin Provincial Park. Und ja! es hat alles getoppt. Ein so liebevoll eingerichtetes Haus wie unsere Unterkunft «Madawaska» (im gleichnamigen Dorf) habe ich noch nie gesehen. Und nie habe ich in den 4 Wochen so gut und vielfältig gegessen wie da. Und noch nie war Lagerfeuer-Diskutieren so «andersch» und die Marshmallows so gut! Ach ja, und die Natur…die war «woonderbarscht», wie unser Linux-Lehrer sagen würde. Ask the pictures for confirmation ;) Hierzu werde ich sicher noch ein wenig mehr schreiben :)

 

Montag - Menschenmassen & Park

Dienstag - Regen & Boaah

Mittwoch - Boatparty

Donnerstag - Wonderland zum 2.

Weekend - Naturtrip im Algonquinpark

«Do you know who did that?»

Claude 14. Juli 2008

Zuerst entdeckt habe ich es in einer Gratis-Wochenzeitschrift, dachte mir, ich könnte ja mal die Beschreibung des Standortes notieren, und wunderte mich ab und an darüber, wo es jetzt sein könnte. Und dann zeigt Julia eines Tages auf ein Graffity an der Portland Street, ein paar Meter nur von der Schule entfernt (ich hätte schwören können, da sei vorher keines gewesen ;)). Sie wollte es fotografieren, und ich solle ihr kurz zeigen, wie am besten. Als wir um die nächste Ecke gingen und da schon wieder ein Graffity war, wurde ich stutzig und las die Beschreibung, die ich mir notiert hatte, nochmals durch. Tatsächlich, südlich der Queen Street, auf der wir gerade waren, muss es sein… Auf der Parallelstrasse… Ich ging kurz die kleine Gasse nach hinten, um diese Querstrasse zu sehen (an deren Eingang übrigens das erste Graffity war). Und da war es tatsächlich: Die angeblich längste «Openair-Galerie» der Welt — Eine Strasse lang Graffity an Graffity…

Die Bilder sprechen schon sehr viel für sich, aber ein paar Eindrücke muss ich trotzdem noch niederschreiben… In dieser Gasse herrschte nämlich einfach eine andere Welt. Es war nicht mehr das menschenvolle, freundliche Toronto; es war vielmehr eine verlassene, gehasste Hinterhofgasse, die entweder mit «Tags» gebrandmarkt wurde, oder dann mit einem wundervollen, teils geisterhaften Graffity zum eigenen Reich gemacht wurde.

Trifft man mal Menschen an, passt man doch lieber auf, nicht allzu sehr wie ein Tourist 4 Wände pro Sekunde abzufotografieren. Die meisten, die hierdrin etwas verloren haben, haben einen Bezug zu den Kunstwerken. Da die Szene äusserst energisch zwischen «real» und «unreal», also richtigen Sprayern und «Möchtegern»-Kennern, unterscheidet, wird man sehr schnell hinausgewimmelt, sobald man mit Kamera oder sonst irgendwie touristisch umherläuft. Und hierfür hat jeder seine eigenen Methoden: Da war zum Beispiel ein Ladenbesitzer, der uns durch den Hinterhof gesehen hat und uns mit einem eher kalten Lächeln fragte: «Do you know who did all that?!», um dann nach unserem «no» sehr gereizt zu befehlen, ruhig weiter zu machen. Die 2 «Gangsters», die vorne an der zivilisierten Queen Street vorbeigingen und uns per Zufall durch eine Verbindungsgasse gesehen hatten, gingen einen ziemlich anderen Weg. Der eine blieb an der Hausecke vorne stehen, um mit dem anderen scheinweise weiterzureden, während dieser ganz langsam aber betont rückwärts hinter unsere Rücken schlenderte und überlegen zu uns hinüberblickte. Recht angenehm… ;)

Die Gasse selber war aber grossartig. So viel Kontrast zum übrigen Toronto — eine selbstverwaltete Gegend mit den eigenen Gesetzen…ein Abbild des echten Lebens von vielen in diesem Quartier und ganz Toronto.

Woche #2: Straight to halftime

Claude 14. Juli 2008

Woche 2 ist ja auch schon ein wenig länger Geschichte, darum hier ein Post über mein Programm und einige Erlebnisse… :)

Als ich am Montag Morgen aufwachte, war ich nicht etwa in Toronto, sondern ein wenig Nordöstlicher: Im Hôtel Québec, an der Avenue des Hôtels, in Québec natürlich. Ich war auf dem Trip ins französisch-sprechende Kanada und wir hatten schon 2 Tage in Ottawa und Montréal verbracht. Nun also in Québec, niemand wollte beim ersten Weckerläuten schon aufstehen, aber man musste, weil man sich gemolden hatte für ein köstliches petit(?!)-déjeuner in einem 10 Carminuten entfernten Hotel. Petit war’s überhaupt nicht, wie das erste Bild zeigt: Das war der Teller mit der ersten Ladung von Daves z’Morge. Weiter gings dann mit einem Drop-Off und freien Stunden in Québecs Altstadt, einem chilligen Abend mit Glacé, einem neuen müden Morgen, einer Schiff-Rundfahrt auf dem 1000-Islands-Lake (ich will da eine!) und der Heimfahrt.

Und schon war 1. Juli, Nationalfeiertag, und wir waren genau zur richtigen Zeit in Toronto angekommen, um zu erfahren, wo das Feuerwerk stattfindet, und auch, dass niemand weiss, wann. Wir vermuteten, wir seien etwa auf halbem Weg, als wir uns bei den vielen Leuten am Hafen niedersetzten, um von da aus das Feuerwerk zu geniessen. Zwar wusste auch niemand, in welcher Richtung es sein wird, aber man kann ja trotzdem schonmal Kamera und Stativ bereitmachen. Und die vereinzelt stehenden Leute fragen, ob es ihnen allenfalls vielleicht etwas ausmachen würde sich zu setzen, dann würden nämlich auch die in der zweiten Reihe etwas sehen. Als dann das Feuerwerk nach einiger Zeit begann, war es für mein 50mm-Objektiv doch noch eeeetwas weit weg, das heisst, wir waren vielleicht nach einem Fünftel der Strecke, die wir hätten gehen müssen, schon abgesessen. Dementsprechend klein war es also nur zu sehen. Und auch seeehr enttäuschend klein in Hinblick auf Länge und Dichte war es für unsere Schweizer Massstäbe…! Aber auf jeden Fall gab’s eine herzhaft coole Aktion neben dem Feuerwerk. Man stelle sich eine lange Hafenpromenade vor mit Leuten, die direkt am Wasser sitzen und Leute, die 2 Meter dahinter auf den Sitzsteinen hocken. Und eine einzige Frau, die in der vorderen Reihe für etwa 20 Personen vor dem Feuerwerk steht. Als sie nach mehrmaligen Bitten noch nicht absass, danach schon ausgebuht wurde und noch immer nicht Anstalten machte abzusitzen, kam ein Mann aus der hinteren Reihe und hielt ihr kurzerhand einen Pullover vors Gesicht. Er kassierte Applaus und die Frau Gelächter. Aber abgesessen? Ist sie nicht… Sie fing mit ihm an zu streiten und ging dann einfach ein wenig frühzeitig weg vom Hafen, nachdem sie einige weitere Minuten lang dastand… Übrigens zu sehen auf dem einen Bild ;)

Also ein mehr oder weniger lahmer 1. Juli für uns (lediglich die paar Jugendlichen mit den Wunderkerzen gingen wirklich ab! ;)), aber nichtsdestotrotz geht die Woche auch am 2. Juli weiter, nun endlich auch wieder einmal mit Schule… Und am Abend mit einer verrückten Party: Sie fand nämlich schwimmend statt. Die Studenten-Aktivitäten-Organisatoren von ISX bieten sogenannte Boat-cruise Partys an, und so kann man das Tanzen auch mal auf einer schwankenden Ebene versuchen…

Donnerstag: Zuerst chillen in den Pärken Torontos..Mit mehr oder weniger Aufgaben-machen… Aber dann wurden wir Zeugen eines ganz ungewohnten Phänomens: Ziemlich nahe bei der Schule, an der Queen Street, wurden schon am Morgen eine Fernsehbühne und Kamerakräne aufgebaut, und am Abend vorher(!!) sassen anscheinend schon die ersten Frauen in der Schlange… Boygroup-Fanatismus pur hat sich da abgspielt: Für einen Fernseh-Auftritt (eine Awardverleihung? keine Ahnung…) der «Jonas Brothers» haben die jungen Frauen und Mädchen unter einer Plastiksack-Galerie (wegen des Regens am Abend) eine Nacht und einen Tag totgeschlagen, um einen «guten» Platz zu haben, bzw. möglichst nah an den drei scheinbar berühmten jungen Musikern zu sein. Viele der Fans sah man mit selbergemachten Schildern, auf einigen standen Dinge wie «I came all the way from Australia to see you!» — und ein Schild, am frühen Nachmittag noch weit vorne in der Warteschlange, fand ich während dem Act weit hinten im Getümmel wieder. Anyway…kurz: Sachen gibt’s…

Auf jeden Fall fühlten wir uns nach ein paar Minuten fotografieren ein wenig fehl am Platz, als einzige Männer unter den Zuschauern, also gingen wir weiter zum eigentlichen Ziel: Zur Verabschiedung von Mariano gingen wir für den Sonnenuntergang auf den CN-Tower, und erlebten da wirklich umwerfende Momente. Nur wollten sie uns nach 22 Uhr nichts mehr zu essen geben, darum wechselten wir ein paar hundert Meter nach unten in eines der legendären HardRock-Cafes. Nicht nur die Cafe-Kette ist legendär, sondern auch dieser eine Ableger hätte dieses Prädikat sehr verdient: Wir durften uns mitten im Rogers Centre (ja richtig, das Baseball und Football-Stadion) an einen Tisch setzen mit Blick auf das soeben zu Ende gegangene Football-Spiel. Und die Bilder sagen’s: Scheinbar dürfen die Zuschauer nach dem Spiel auf den Rasen und, wie Dave gut bemerkte, Fotos mit den Cheerleadern schiessen…. ;)

Der Freitag war dann eigentlich ganz normal..bis auf den Abend natürlich, da war ich mit Julia, der auch schonmal erwähnten Koreanischen Russin, und Giovanna, der Italienerin, am See und später noch bei der EF-Studenten-Residenz, wo wir vermeintlich Freunde treffen würden. Da waren zwar Leute, aber nicht unbedingt die gesuchten. Aber auf jeden Fall konnte sie mich, und ich 2 andere Schweizer, davon überzeugen, mit ihr in «Canada’s Wonderland» zu gehen. Somit sind wir auch schon beim Samstag: Das ganze war nämlich spontan für den nächsten Morgen geplant, und als wir dann auch schon ganze 50 Minuten nach der abgemachten Zeit komplett waren, gings mit der langsamsten vorstellbaren Busverbindung in Richtung Wonderland, und prompt hatte ich natürlich noch mein Handy verloren (JA, ich bin somit für den Rest hier nicht per Handy erreichbar…). Aber als wir drin waren, hätte es nicht besser sein können. Es ist ungefähr wie ein Europapark mit viel mehr «guten» Achterbahnen ;)

Und Sonntag — Sonntag war ein richtiger Schweizer Sonntag, nichts richtiges getan ausser ausgeschlafen (war nötig!) und einige Mails beantwortet und am Blog gewerkelt (war sehr nötig!). Und dann ab in die erste Woche nach der Mitte… ;)

…Fotos:

French Canada Part 2 - Québec

July 1st

So sieht Toronto in der 2. Woche aus

Blick vom CN-Tower